1. Mehr Vorräte und mehr Übungen für die nächste Pandemie

    Gesundheitsminister Spahn besucht "Rosengarten" / Diskussion mit Pflegekräften

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    BÜCKEBURG (bb). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bei einem Besuch in der Seniorenresidenz Rosengarten des DRK-Kreisverbandes Schaumburg noch einmal die hohe Bedeutung der Impfungen zur Überwindung der Corona-Pandemie betont. Der Christdemokrat beantwortete Fragen von Bewohnern der Einrichtung und diskutierte mit Pflegekräften des DRK. "Meiner Oma würde ich es empfehlen", erklärte Spahn auf die Nachfrage, ob die dritte Impfung für Menschen im Seniorenalter sinnvoll sei. Studien würden zeigen, dass diese dem Immunsystem noch einmal einen Schub versetzen würde. Rund 30 Bewohner tauschten sich mit dem Gesundheitsminister aus, der sich optimistisch zeigte, dass die Pandemie in absehbarer Zeit überwunden werde. Dabei betonte er die Bedeutung der Impfung. Es gehe dabei nicht nur um eine Entscheidung für die eigene Gesundheit, sondern es sei auch eine Frage der Verantwortung gegenüber Mitmenschen, die sich zum Beispiel nicht impfen lassen könnten. Derzeit sei die Covid19-Erkrankung in erster Linie eine Pandemie der Ungeimpften, auch dies zeige die Wirksamkeit. Trotzdem unterstrich Spahn auf die Frage nach einer Impfpflicht seine Position, diese nicht zu befürworten. In einem ohnehin von vielen Spannungen geprägten Diskussionsklima drohe bei einer Verpflichtung die Gefahr, dass Menschen in "Abwehrhaltung" gehen würden und dann kaum noch erreichbar seien. Trotz mancher Schwierigkeiten im Krisenmanagement sei die Bundesrepublik vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen. Anders als in manchen Nachbarländern sei die medizinische Versorgung stets sichergestellt gewesen. Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem könne jedoch nur über eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung aufrechterhalten werden. Für die Zukunft sei es wichtig, auch für Pandemien wie für andere Katastrophenfälle ausreichend Notfallvorräte anzulegen. Ebenso sich mit Übungen auf solche Situationen vorzubereiten. DRK-Kreisverbands-Präsident Bernd Koller erklärte, dass der Landkreis im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mit eine der niedrigsten Todesraten zu verzeichnen habe. Sie liege deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, die Senioren in Schaumburg würden also in einer sicheren Umgebung leben. Grundlage dafür seien auch die hohen Testkapazitäten und entsprechende Konzepte. Fachkräftemangel und Bürokratie in der Pflege Koller leitete zur zweiten Diskussionsrunde mit den Pflegekräften über, die ebenso lebhaft, dabei von einem kritischeren Grundton geprägt war. Thema war hier vor allem der Mangel an Fachkräften sowie die Bürokratie. An vielen Stellen kämpfe man gegen einen "gewaltigen Papiertiger", so die Mitarbeiterinnen. Spahn räumte ein, dass hier gerade im ambulanten Bereich Missstände bestehen würden. Sein Ministerium dränge bei Kassen und Spitzenverbänden auf mehr Digitalisierung, geschehen sei zu wenig. Komme es hier nicht zu Fortschritten, müsse man zu gesetzlichen Regelungen greifen, so der Minister, der Anregungen aufnahm und sich Notizen machte. Gerade im ambulanten Bereich sei der Fachkräftemangel schwerwiegend, so die Pflegekräfte. Zu fragen sei, ob die Gesellschaft die Tätigkeit am Menschen im Gegensatz zu anderen Berufen ausreichend honoriere? Spahn wies darauf hin, dass es in den letzten Jahren durchaus Verbesserung bei der Lohnentwicklung gerade im stationären Bereich bei der Alten- und Krankenpflege gegeben habe. Mit der Einführung des Tarifvertrags in der Altenpflege werde sich diese Entwicklung fortsetzen. Gerade die Frage der hohen Arbeitsbelastung sei ein Problemkreis, der schwer zu durchbrechen sei. Einerseits würden sich die Beschäftigten mehr Kollegen wünschen, um zu einer besseren Situation zu kommen und Stress zu reduzieren. Andererseits würden genau aus diesem Grund Mitarbeiter weniger arbeiten. Hier könne man nur mit gemeinsamen Anstrengungen zu Lösungen kommen. "Menschen wünschen sich diese Versorgungsform" Bernd Koller stellte den Rosengarten vor, der als Einrichtung des "betreuten Wohnens" einen hohen Betreuungsgrad erreiche. Rund um die Uhr sei Personal für die Bewohner vor Ort, bei Bedarf könne über die hausinterne Rufanlage oder das Hausnotrufsystem Unterstützung angefordert werden. "Alles was die Bewohner selber machen können oder Angehörige erledigen wollen, ist möglich. Bei allem, wo Bewohner Unterstützung benötigen, können sie diese Unterstützung bekommen", fasste Koller das Konzept zusammen. Der Präsident und der DRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hoffmann unterstrichen, dass genau diese Versorgungsform auch von einem Großteil der älteren Menschen gewünscht werde. Sie führe dabei zu weniger Kosten für die Gesellschaft als die stationäre Versorgung, mit ihrem höheren Personalbedarf. Problematisch sei allerdings, dass das Angebot "Betreutes Wohnen" anders als der stationäre Bereich nicht geregelt und genormt sei. Der Betreuungsgrad im Rosengarten hebe sich deutlich von dem ab, was viele Wohnanlagen unter dem gleichen, ungeschützten Begriff bieten würden. Spahn räumte hier Nachholbedarf ein, erklärte jedoch, dass es Zeit brauchen werde, nachzubessern. Foto: bb